Was bedeutet asana

Wer sich mit Yoga beschäftigt wird relativ schnell auf unverständliche Worte und Begriffe stoßen. Dies ist darin begründet, dass die ursprünglichen Wurzeln des Yoga in den alten indischen Philosophien liegen. So wurde bereits um 1000 vor Christus über Yoga geschrieben – in Sanskrit, der damaligen Sprache der Gelehrten. Bis heute werden diese traditionellen Worte weiterhin verwendet. In diesem Beitrag möchte ich den Begriff āsana erläutern.

Jede Yogastunde beinhaltet unterschiedliche Phasen und Schwerpunkte. Bei der bekanntesten handelt es sich um das Einnehmen von Körperhaltungen und -stellungen. Hier ist das Ziel, über eine bestimmte Zeit hinweg ruhig und angenehm in einer Haltung zu verweilen.

āsana wird als „Körperhaltung“ übersetzt

Eben diese Körperhaltungen des Yoga werden als Asana (auf Sanskrit: āsana / in der indischen Schreibschrift devanāgarī: आसन) bezeichnet. In der ursprünglichen Übersetzung heißt āsana auch „der Sitz“ – denn das eigentliche Ziel, was mit Yoga verfolgt werden soll, ist die Fähigkeit, über einen möglichst langen Zeitraum möglichst schmerzfrei und bequem sitzen zu können. Weshalb? Die Sitzhaltung wird traditionell zum Meditieren eingenommen.

Die alten Überlieferungen beschreiben weiterhin, dass jede āsana bewusst bzw. achtsam praktiziert werden soll. Wichtig ist demnach das bewusste Aufbauen und Einnehmen der Haltung, der richtige Atem, das bewusste Halten – um die Aufmerksamkeit nach innen zu lenken – sowie das bewusste Auflösen.

In der wichtigsten Überlieferung, der yogasūtra von Patañjali, ist von zwei wesentlichen Qualitäten die Rede, welche jede āsana auszeichnet:

„sthira-sukham-āsanam“ Übersetzt: Die Haltung besteht aus Stabilität und Wohlbefinden. (yogasūtra 2.46)

In der Konsequenz bedeutet dies, dass jede Köperhaltung des Yoga dann perfekt wird, wenn sie sich innerlich gut und angenehm anfühlt. Denn erst hierdurch ermöglicht sie es uns, störungsfrei die innere Welt zu erkunden.

Übrigens ist dies auch der Grund, weshalb die meisten Yogalehrer das Üben ohne Spiegel empfehlen, da hier die Versuchung am Größten ist, die Körperhaltung äußerlich perfekt auszurichten, obwohl sie dadurch zu körperlichen Unannehmlichkeiten führen und verhindern könnte, den achtsamen Bezug zur Innenwelt aufzubauen.

Klassifikationen von āsanas

Für die körperliche Yogapraxis werden āsanas im Wesentlichen in 9 Hauptgruppen untergliedert:

  1. Standhaltungen
  2. Gleichgewichtsposen
  3. Sitzhaltungen
  4. Vorbeugen
  5. Rückbeugen
  6. Drehhaltungen
  7. Umkehrhaltungen
  8. Liegende Haltungen
  9. Krafthaltungen

Je nach Tradition variiert die Anzahl der āsanas sehr stark. Die Bandbreite reicht von 26 über 32, 84, 108 bishin 8 Millionen, je nachdem, welche Variationen und Alternativen von Körperhaltungen bereits als neue, eigenständige āsana gezählt werden.

āsana als Weg zu sich selbst

Der Begriff āsana umschreibt im Weiteren den dritten von acht Stufen eines Verhaltenskodex auf dem Weg zu sich selbst, wie sie von Patañjali in der der yogasūtra aufgezählt werden:

  1. yama (Ethische Zurückhaltungen des Einzelnen in der Gesellschaft)
  2. niyama (Ethische Beobachtungen des Selbst)
  3. āsana (Körperhaltungen)
  4. prāṇāyāma (Atemübungen)
  5. pratyahara (Disziplinieren und Zurückziehen der Sinne)
  6. dhāraṇā (Bewusste Konzentration auf das Wesentliche)
  7. dhyāna (Meditation durch reine Beobachtung)
  8. samādhi (Versenkung und Erleuchtung)

Ziel der Beitragsreihe ist es zentrale Begrifflichkeiten des Yoga zu erläutern. Dieser Artikel soll das Wort „āsana“ näher erläutern und in einen Zusammenhang mit den Grundlagen des Yoga bringen.

Haben Sie Fragen oder Ergänzungen? Ich freue mich über Ihre Rückmeldungen!