Meditation

Eine Feuer-Meditation zu Ostern

Ostern feiert nach einer Zeit der Entbehrung nun mit dem Fest der Auferstehung den machtvollen Sieg des Lebens. Aus dem Vergehen und dem endgültigen Loslassen konnte das Neue entstehen.

Auch jenseits des religiösen Kontextes ist Ostern für mich eine ganz besondere Zeit, die ich sehr gerne zur Innenschau und Reflexion nutze. Gerne möchte ich dir hierfür ein paar Ideen und Anregungen mitgeben.

Vorbereitung für das Ritual.

Für das Durchführen des Feuer-Rituals brauche ich neben etwas Muße noch einen ruhigen Ort, an dem ich mich zurückziehen kann. Ich nutze gern meinen Balkon dafür, da er besser als ein Zimmer belüftet ist. Um bequem sitzen zu können, nehme ich entweder ein Sitzkissen oder einfach einen Hocker.

Wenn es meinem Geist schwer fällt, sich zu fokussieren und zu konzentrieren, dann mache ich eine sanfte Hintergrundmusik an, die mich nicht zu sehr ablenkt, und worauf sich mein Geist einlassen kann.

Die Meditation besteht aus zwei Teilen.

Da ich im ersten Teil einen Zettel verbrennen werde, brauche ich eine große feuerfeste Schale, eine Kanne voller Wasser, ein Teelicht, Streichhölzer, einen Zettel und einen Stift (Optional kann der Zettel anstelle ihn zu verbrennen natürlich auch zerknüllt und zerrissen werden, falls dein Raum nicht gut gelüftet werden kann, oder ein Feuermelder in der Nähe ist).

Für den zweiten Teil brauche ich noch eine schöne Osterkerze.

Insgesamt plane ich für die gesamte Meditation zwischen 15-30 Minuten Zeit ein, und vertraue dann einfach ihrer Dynamik. Manchmal ist es recht kurz und knackig, und manchmal versinke ich auch noch länger in einem Gefühl der Zeitlosigkeit.

Erster Teil: Reflexion über das Vergangene.

Zunächst erlaube ich mir ein paar Momente des Ankommens in der Meditation. Ich schließe die Augen, richte meinen Sitz gut und bequem ein, und beobachte dann eine Weile ganz bewusst meine Atmung. Ich spüre, wie ich geatmet werde, und folge ihrem Fluss durch den Körper.

Hat sich dann meine Aufmerksamkeit gebündelt, dann wende ich mich der eigentlichen Meditation zu.

In der Ruhe der Meditation stelle ich mir die Frage, was mich dazu befähigte, meinen zurückliegenden (Lebens-)Weg zu gehen.

Ich habe dir hier ein paar Anregungen dafür aufgeschrieben. Nimm sie gerne als Ideen an, ohne sie wortwörtlich wiederholen zu müssen:

  • Was war es, das mich Hindernisse und schwierige Zeiten durchschreiten ließ?
  • Woraus konnte ich den Mut, den Willen und die Kraft schöpfen, diesen Weg zu gehen, der mich letztlich bis hierher brachte?
  • Auch wenn es manchmal ein schwieriger Weg voller Hindernisse und Hürden war, und ich ihn vielleicht sogar gegen den Rat meiner Mitmenschen ging – oder ich keine Unterstützung erfuhr?
  • Welche Eigenschaften und Qualitäten trugen mich also – nicht nur in den letzten Wochen und Monaten, sondern über meinen weiteren Lebensweg hinweg?

Hat sich nach einiger Zeit eine Antwort herauskristallisiert, dann fokussiere ich mich auf einen neuen Aspekt:

  • Was kann ich nun in der Rückschau der vergangenen Zeit loslassen?
  • Was brauche ich nicht mehr, um meinen Weg weiter zu gehen?
  • Was darf hinter mir bleiben?

Die Antwort darauf schreibe ich mir in einem Satz oder mit einem Wort auf einen Zettel, und zerknülle ihn langsam.

Dann zünde ich ein Teelicht an, das ich in eine große und feuerfeste Schale stelle. In dieser Feuerschale lasse ich den Zettel verbrennen, und beobachte dabei, wie er sich buchstäblich in Rauch auflöst. Das Feuer lösche ich gegebenenfalls mit dem bereitstehenden Wasser ab.

Zweiter Teil: Reflexion über das Zukünftige.

Nunmehr wende ich mich dem Weg zu, der vor mir liegt:

  • Was möchte ich auf diesem Weg, den ich weiter gehen werde, an Qualitäten nutzen und bewahren?
  • Genauer gesagt: Was ist es, das ich an meine Mitmenschen weiterreichen möchte?
  • Mit welcher Eigenschaft oder Qualität kann ich anderen Menschen etwas Gutes tun, und sie auf ihrem Weg unterstützen?

Mit dieser inneren Intention zünde ich eine Osterkerze an.

Danach verweile ich sehr gerne ein paar Minuten in Ruhe, und schaue der Kerzenflamme zu. Meist schließe ich auch nach einer Weile die Augen, und beobachte gedanklich die leuchtende Flamme der Osterkerze weiter.

Tipp: Diese Meditation eignet sich auch sehr gut für den Jahreswechsel!

Autor

Hallo! Geboren im Ausklang der 70er Jahre, hat mich mein Lebensweg über einen kaufmännischen Beruf zum Studium der Verhaltenswissenschaften und der Sprechwissenschaft gebracht. Da rechnete ich allerdings noch nicht mit meiner Berufung, die mich zum Yogalehrer im Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland und zum Dozenten im Rahmen der Yoga-Lehrausbildung führte. Nun stehe ich hier.