Pranayama

So praktizierst du kapalabhati

Yoga ist ein sehr vielfältiges und umfassendes Konzept, welches weit über die körperlichen Übungen auf der Yogamatte hinaus geht. Ein wesentlicher Bestandteil der Yogapraxis sind beispielsweise die Atemübungen, auch prāṇāyāma genannt. Eine davon ist kapālabhātī. Ich möchte dir eine Anleitung an die Hand geben, wie du diese ganz besondere Atemtechnik praktizieren kannst, und auf welche Dinge du unbedingt achten solltest.

Wer an Yoga denkt, hat in der Regel die körperlichen Übungen und Yogahaltungen vor Augen. Doch im Grunde ist Yoga viel mehr als das, und ein ganzheitliches System, welches auch die Atmung und den Geist integriert. Mit Hilfe von gezielten Atemtechniken – den so genannten prāṇāyāma – soll beispielsweise eine harmonische Verbindung zwischen Körper und Geist erreicht werden.

Eine Anleitung für die Feueratmung kapālabhātī

Bei kapālabhātī handelt es sich um eine aktivierende und sehr schnelle Atemtechnik. Sie wird auch als „Schädelleuchten“ übersetzt, da kapāla wortwörtlich Schale oder Schädel bedeutet, und bhātī so viel wie Licht oder Leuchten. Im Yoga ist sie den Reinigungstechniken ṣaṭkarma zugeordnet.

Das Besondere an ihr ist eine sehr starke Betonung der Ausatmung, wobei die Bauchdecke ruckartig nach innen gezogen wird, um einen kurzen und stoßartigen Ausatemimplus zu setzen. Die Einatmung ist hingegen eher passiv und entspannt. Während der Atemtechnik wiederholen sich die Aus- und Einatmung sehr schnell und über einen längeren Zeitraum. Manche vergleichen sie mit einer Art der Hyperventilation.

Vorbereitung

Bitte verstehe diese Anleitung als eine Handreichung. Wenn du kapālabhātī noch nie praktiziert hast, dann empfehle ich dir, sie zuerst bei einem erfahrenen Yogalehrenden zu erlernen, der nachweislich eine gute Ausbildung in prāṇāyāma genossen hat.

Alles beginnt mit einem guten Sitz

Suche dir ein ruhiges Plätzchen, an dem du für ein paar Momente innehalten kannst. Am Besten ist dein Sitz, wenn du dich wohl fühlst, es bequem ist, und deine Atmung entspannt fließen kann. Die äußere Form des Sitzes ist dabei nicht so wichtig.

Verfolge deinen Atemfluss für ein paar Momente, und spüre seinen Weg durch deinen Körper.

Puste eine Fussel weg

Heb deine Hand vor deinen Mund, und stelle dir eine Fussel darauf vor, die du mit einem kurzen Luftstoß wegpustest. Und puste dann gleich die nächste mit einem gezielten Atemstoß weg. Probiere das ein paar Mal hintereinander.  Du kannst dir auch eine eine Kerze vorstellen, die du auspustest, und die danach immer wieder anbrennt.

Nun probiere das Ganze nicht mehr durch den Mund, sondern durch die Nase. Du kannst dir auch hier vorstellen, dass du etwas wegpustest – beispielsweise eine Fussel von der Oberlippe. Bitte verkrampfe dabei jedoch nicht dein Gesicht, deinen Hals oder deine Schultern. Und schon gar nicht deinen Bauch. Immer schön locker blieben….

Immer schön aus dem Bauch heraus

Wenn du die Fussel wegpustest, dann spüre auch mal zum Bauchbereich. Der Ausatemimpuls sollte aus der Bauchdecke kommen, die mit einem kurzen kräftigen Ruck nach innen zieht. Danach folgt gleich eine ganz entspannte Einatmung, die dir im Idealfall genau so viel Luft zurückschenkt, wie der Ausatemstoß verbraucht hat.

Nochmal: Mit deiner Ausatmung zieht der Bauchnabel mit einem kurzen Ruck aktiv nach innen in Richtung des Rückens; und mit der Einatmung kommt so entspannt wie möglich der Bauchnabel wieder nach vorne, denn hier braucht die Bauchdecke einfach nur loszulassen. Je gezielter die Bewegung ist, desto besser.

Das ist eigentlich schon die grundlegende Atemtechnik, die du für kapālabhātī brauchst.

So wird kapālabhātī praktiziert

Wieder: Der Sitz ist die Basis. Sei aufgerichtet, bequem, und lasse deine Atmung ganz entspannt fließen.

  1. Phase 1: Tief durchatmen
    Atme ein paar Mal tief und ganz in Ruhe ein und aus. Lasse die Atmung in die Tiefe deines Körpers fließen, und entspanne dein Gesicht.
  2. Phase 2: Stoßweise atmen
    Die nächste Einatmung lässt du bis zur Hälfte des theoretischen Einatemvolumens entstehen, und dann beginnst du mit der stoßweisen Ausatmung durch die Nase. Das kann kraftvoll und intensiv sein, oder eher sanft, ganz so, wie es für dich stimmig ist. Als Rhythmus kannst du dich grob am Sekundentakt orientieren, wobei du auch gerne schneller bzw. langsamer sein kannst. Praktiziere es für eine Weile und fühle dich frei, es so lange zu wiederholen, wie du dich wohl fühlst (die Meisten finden 15-50x nacheinander angenehm, aber das sind nur grobe Vorschläge).
  3. Phase 3: Die Atmung pausieren
    Nun atme tief aus, wieder tief ein, und halte dann die Atmung in ihrer Fülle an. Da du in der schnellen Atemphase viel Kohlendioxid ausgeatmet hast, kann der Wunsch, wieder atmen zu wollen, recht spät folgen. Du darfst gerne diese Stille der Atmung und des Geistes genießen, und dort ein paar Momente verweilen. Wenn der Wunsch, zu atmen entsteht, dann gebe ihm bitte nach, und atme fließend und tief.

Diese drei Phasen kannst du gerne insgesamt 3-4x wiederholen.

So wirkt die Feueratmung

Wenn du dich so richtig wach, energetisiert und im Kopf erfrischt fühlen möchtest, dann ist diese Atemtechnik definitiv etwas für dich! Du kannst sie gerne Morgens praktizieren, um mit Energie und Schwung in den Tag zu starten. Oder einfach immer dann, wenn du die Gedanken mal wegpusten möchtest, und dir neuen Schwung schenken magst.

Aufgrund der intensiven Bewegung des Bauches können die Verdauungsorgane in ihrer Funktion unterstützt werden. Weiterhin werden positive und aktivierende Wirkungen auf das Herz-Kreislauf-System zugesprochen. Oftmals entsteht auch der Eindruck, dass es innerlich warm wird, wobei diese Wärme sogar manchmal in den Kopf aufsteigen kann (deswegen ja auch ihr Name: „Feueratmung“ oder „Schädelleuchten“).

Bitte beachten!

Die Kraft des ruckartigen Ausatemimpulses entsteht aus der Bauchdecke, und nicht durch ein Pressen des Halses.

Fühle dich wohl bei dem, was du machst! Sobald du merkst, dass dir schwindlig wird, du dich unwohl fühlst oder Kopfschmerzen entstehen, dann beendest du bitte diese Atemtechnik.

Bitte praktiziere kapālabhātī nicht, wenn du schwanger bist, bei starken Kopfschmerzen, nicht eingestelltem hohen Blutdruck, Gastritis, Entzündungen oder frischen Operationen im Bauchbereich.

Gerne kannst du mir deine Erfahrungen und Fragen schreiben.

Ich wünsche dir die Energie, die du brauchst!
Tobias.