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Die besten Vorurteile und Klischees über Yoga

„Ich kann kein Yoga machen, weil ich zu unbeweglich bin.“ Kommt dir der Spruch auch bekannt vor? Hier findest du die zehn besten und häufigsten Vorurteile über Yoga und die Antworten aus der Sicht eines Yogaerfahrenen.

Ehrlich gesagt, liebe ich Yoga über alles. Seit mehr als 15 Jahren praktiziere ich es – zuerst als begeisterter Teilnehmer von Yogakursen und später in der Profession des Yogalehrenden. Im Laufe dieser Zeit sind mir viele Fragen, Erwartungen und Vorurteile über Yoga begegnet. Sie möchte ich gerne aus meiner Sicht heraus beantworten.

1. Yoga. Da sitzt man doch nur rum und singt OM

Nun ja. Das ist ein weit verbreitetes Stereotyp über Yoga. Doch offen gestanden ist es wie mit jedem Vorurteil: Es gibt durchaus Yogakurse und Anbieter, bei denen du genau das bekommst. Womöglich landest du bei einem Lehrer, der frisch aus dem Indien-Trip zurück ist und seine spirituellen Erfahrungen mit viel Sendungsbewusstsein und Nachdruck der Welt vermitteln möchte. Wenn du Glück hast, dann ist es das, was dich in deinem Innersten berührt. Ansonsten suche dir bitte einen anderen Lehrer.

Die Bandbreite der Yogaangebote ist riesig und der Markt vielfältig. Von Chanten der Mantras über das Ausrichten der inneren Energien bis hin zum BodyShaping im Fitnessstudio findest du das bei Yoga, was dein Herz (oder dein Kopf) begehrt. Also probiere bitte viele Studios und Lehrende aus, damit du das für dich Passende findest.

2. Ich bin ein Mann. Ich geh doch nicht zum Yoga!

Ein richtiger Mann spielt höchstens Fußball oder geht zum Bodybuilding ins Fitnessstudio. Aber doch bitte nicht zu einem Yogakurs. Was sollen denn die Kumpels denken! Und die Schmerzen in den Knien und im Rücken werden irgendwann schon wieder weg gehen. Ein richtiger Mann braucht übrigens auch keinen Arzt! Wo kommen wir denn da hin.

3. Das ist nur was für Mütter vom Prenzlauer Berg / für Hippies / für Ökos / reiche verwitwete Frauen / Prominente / den Mainstream.

Ich habe in meiner beruflichen Laufbahn schon das unterschiedlichste Klientel unterrichtet: Hausfrauen, Angestellte, Geschäftsführer, Vertriebler, Bürohelden, Alltagsbewältiger, Jäger, Kletterer, Profi-Sportler, die Frauenfußballmannschaft in der Bundesliga. Menschen wie Du und Ich. Manche Klischees sind eben überholt, was?

4. Yoga ist ein Hype. Das geht wieder vorbei.

Der philosophische Teil des Yoga ist mehrere Jahrtausende alt, der körperliche mehrere Jahrhunderte. Das muss Zumba erst einmal nachmachen.

Yoga ist in der Tat auf recht hohem Niveau nachgefragt. Doch solange es gut tut und sich die Menschen damit besser fühlen, gibt es keinen Grund, den Untergang der Yogakultur zu beschwören.

5. Die Yogakurse sind doch völlig überteuert!

Wenn ich mir die Stundenpreise bzw. Workshop-Gebühren einiger bekannter Kolleginnen und Kollegen ansehe, dann muss ich offen gestanden auch erstmal schlucken. Doch in der Regel kostet eine Zehnerkarte um die 130 EUR, was 13 EUR für 90 Minuten Yoga ausmacht. Das ist nun auch nicht die Welt – eine klassische Massage würde um die 60 EUR kosten (pro Termin!). Außerdem übernehmen die meisten Krankenkassen einen Großteil der Kursgebühren im Rahmen der Primärprävention Stress & Entspannung.

Auf der anderen Seite muss der Yogaanbieter von diesen Einnahmen irgendwie über die Runden kommen. Wenn der Yogaraum nicht gerade das Ambiente einer multifunktionalen Sporthalle ausstrahlt, dann kostet er richtig viel Miete und Nebenkosten. Dann müssen die Matten, der sonstige Yogabedarf und der Unterhalt bezahlt werden. Anschließend kommen die Rentenversicherung, das Finanzamt, die Krankenkasse….. Du weißt, was ich meine?!

Jedenfalls hält sich die überwiegende Mehrzahl derer, die ich kenne, gerade so über Wasser oder ist auf einen Zweitjob angewiesen. Und sollte dir die Kursgebühr doch einmal zu teuer sein, dann hilft vielleicht ein offenes und fundiertes Gespräch mit dem Anbieter.

6. Boah, kannst du dich aber verrenken. Und das sieht so leicht bei dir aus.

Yoga tut gut, sofern die Bewegungen und Haltungen im Rahmen dessen praktiziert werden, was der Körper mit seiner Kraft und Beweglichkeit problemlos und weitgehend schmerzfrei durchführen kann. Das kann bedeuten, dass der Eine in der Vorbeuge die Hände unter die Füße schieben kann, der Andere aber schon beim Gedanken an die Vorbeuge ein Ziehen und Stechen in den Beinrückseiten verspürt.

Wenn die Yogasequenzen leicht und einfach aussehen, dann steckt in der Regel eine jahrelange Übungspraxis dahinter. Ein Profitänzer bewegt sich auch ganz leicht und geschmeidig – doch das ist nur das Ergebnis des Trainings.

7. Ich würde ja gerne zu Yoga gehen, aber ich bin viel zu unbeweglich / zu dick / zu träge / zu gestresst / zu nervös ….

Und ich bin zu müde, um mich schlafen zu legen.

8. Du machst doch Yoga. Sag mir mal, wie ich meine Rückenschmerzen wegbekomme.

Ich stelle dir gerne ein paar Übungen zusammen, die dir helfen können, deine Schmerzen zu lindern. Doch das wird nicht in 2 Minuten erledigt sein und du musst selber was dafür tun. Einfach nur einen Tipp bekommen, den einmal machen und für immer schmerzfrei sein – das funktioniert nicht. Sorry.

9. Ich habe gehört, Yoga ist gar nicht so gesund für …!

Zu viel essen und sich einseitig ernähren auch nicht. Zu lange liegen oder sitzen ebenso nicht. Zu viel Wasser trinken ist ungesund. Autofahren kann tödlich sein.

Ergo: Du sollest aufpassen bei dem, was du machst. Wenn du Yoga achtsam praktizierst, dabei auf dich und deinen Körper hörst und einen gut ausgebildeten Yogalehrenden hast, der auf deine individuellen Bedürfnisse eingehen kann, dann steht deiner gesunden Yogapraxis nicht viel im Wege.

10. Yoga macht dich doch zu einem Gutmenschen!

Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Ein wenig hoffe ich es schon 🙂

Alles Gute!
Tobias Weidhase

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